Risiken der digitalen Kommunikation

von | 7. Mai 2024 | Medienbewusstsein

Keine Frage: Der technologische Fortschritt bringt viele Vorzüge. So gut wie niemand möchte auf digitale Medien verzichten. Nebst all den Chancen ist es dennoch wichtig, sich der Risiken der digitalen Kommunikation bewusst zu sein – um gegebenenfalls mit entsprechenden Maßnahmen gegenzusteuern.

Insbesondere feinfühlige Menschen tun sich schwer damit, ihre Grenzen zu spüren und sind schnell sinnesüberreizt. Mögliche Risiken der digitalen Kommunikation zu kennen, kann dabei helfen, achtsam mit Medien umzugehen und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen – vor allem jetzt, wo sich die Technologie rasant weiterentwickelt.

In diesem Beitrag erfährst Du 11 Risiken der digitalen Kommunikation.

1. Passives Konsumieren

Medien sind darauf angelegt, Inhalte zu konsumieren. Ob es sich dabei um ausführliche Reportagen oder kürzere Beiträge handelt, ist nebensächlich. Auch wer vermehrt Beiträge kommentiert, ist eher auf der passiven Seite. Denn er beteiligt sich an vorgegebenen Inhalten, anstatt sich selbst für ein Herzensthema zu engagieren. Somit bestimmen andere, mit welchen Themen wir uns beschäftigen.

Natürlich vermitteln Medien auch Inspiration und Wissen. Entscheidend bleibt jedoch, was wir daraus machen. Setzen wir Tipps um, um unser Leben zu verbessern? Oder sammeln sich Erkenntnisse lediglich als Theorie in unseren Köpfen an? Lassen wir uns von fremden Inhalten berieseln? Oder kreieren wir daraus etwas Eigenes?

Die passive Konsumhaltung zählt zu den Risiken der digitalen Kommunikation. Es ist wichtig, einen Ausgleich zu finden und zwischendurch selbst etwas zu erschaffen. Das kann zum Beispiel eine kreative Tätigkeit wie Malen, Zeichnen oder Gestalten sein. Nur so kommen wir wieder mit uns und unseren Ressourcen in Berührung.

2. Oberflächlichkeit

Viele digitale Inhalte legen den Fokus auf Äußerlichkeiten. Auf Ereignisse und Prominente irgendwo auf der Welt. Auf materielle Güter oder Erlebnisse, die wir dringend konsumieren oder erringen müssen, um dazuzugehören. Oberflächliche Werte, Trends und Stereotype vermitteln subtil, wie wir zu sein oder zu leben haben. Nur wenn wir nach ihnen streben, können wir glücklich und erfolgreich sein. So scheint es.

Doch sind dies oftmals Inhalte, die wenig mit unserem persönlichen Alltag zu tun haben. Inhalte, die auf Sensation oder Status ausgelegt sind, anstatt unser Wohlbefinden zu fördern. Depressionen, Sinnkrisen, Isolation oder Leistungsdruck können die Folge sein. Dies regt zum Nachdenken an. Zumal viele Menschen Mühe haben, sich von fremden Erwartungen abzugrenzen.

3. Unverbindlichkeit

Digital hören viele Menschen auf, bewusst oder höflich zu kommunizieren. Beziehungen werden unverbindlicher und unpersönlicher. Schluss machen per WhatsApp? Lästige berufliche oder private Kontakte ghosten? Am Familienabend mit dem Smartphone vor der brandneuen Netflix-Serie anwesend und doch abwesend sein? Im 21. Jahrhundert normal.

Durch die räumliche Distanz und Unmengen an Nachrichten kommt es manchmal vor, dass wir unsere Kontakte vergessen. Schon sind wieder drei Wochen vergangen. Der Schulfreundin aus der Kindheit haben wir noch nicht geantwortet.

Feinfühlige Menschen schätzen tiefgründige Gespräche und Beziehungen. Oftmals pflegen sie weniger Kontakte, dafür echte und langlebige. Wenn das Gegenüber dem Smartphone mehr Aufmerksamkeit schenkt oder Gruppenchats in belanglosen Diskussionen ausarten, fühlen sie sich schnell isoliert und als Außenseiter.

4. Ständige Erreichbarkeit

Die Kehrseite ist, dass wir digital rund um die Uhr erreichbar sind. Wir fühlen uns unter Druck gesetzt, so schnell wie möglich zu antworten. Zumal jeder anhand der blauen Häkchen sehen kann, dass wir die Nachricht im Chat gelesen haben. Je nach Einstellung sehen wir zudem, wer gerade online ist oder es zuletzt gewesen ist. Da könnte so mancher Kontakt gekränkt sein, wenn wir zwar online sind und er es weiß, wir aber seine Nachricht nicht unverzüglich lesen und beantworten.

Hinzu kommt, dass wir selten auf nur einer Plattform aktiv sind. Neben WhatsApp und Telegram gibt es E-Mails und Social Media Direktnachrichten. Wer verliert da nicht zwischendurch den Überblick?

Manche Menschen spüren die Erwartungen anderer und fühlen sich umso mehr gestresst, wenn sie diesen nicht nachkommen. Auch wenn es bereits spät abends ist. Die ständige Erreichbarkeit überfordert und laugt sie aus. Sie zählt zu den Risiken der digitalen Kommunikation.

5. Überstimulation durch Informationsflut

Heutzutage prasseln dauernd Informationen, Nachrichten und Werbung auf uns ein. Sowohl digital über verschiedene Kanäle als auch offline durch Plakate, Flyer, Zeitungen oder Zeitschriften.

Die Informationsflut hat rasant zugenommen und beschallt all unsere Sinne: Schnelle Videoschnitte und flimmernde Spezialeffekte für das Auge. Laute Musik und Geräusche für das Ohr. Intensive Parfumdüfte für die Nase. Verschiedene Häppchen zum Probieren für den Geschmackssinn. Allerlei Stoffe und Materialien für den Tastsinn.

Was davon ist relevant? Was hat Priorität? Für das überreizte Nervensystem ist es oftmals eine große Herausforderung, sich abzugrenzen und auf das Wesentliche zu fokussieren.

6. Negativität

Digitale Medien ermöglichen es allen mit Internetzugang, ihre Botschaft zu verbreiten. Manche Menschen verlieren im Internet scheinbar ihre Hemmung und lassen ihrem Frust freien Lauf. Eine harmlose Bemerkung artet schnell in einer Schlammschlacht gegenseitiger Beschuldigungen aus, wenn sie missverstanden wird und andere triggert. Davon zeugen nicht zuletzt Cypermobbing-Vorfälle und all die Hasskommentare auf Social Media.

Daneben herrschen auch in den Nachrichten Negativschlagzeilen vor. Messen wir ihnen zu viel Gewicht bei, trüben Angst, Schrecken und Unsicherheit unser Weltbild.

Negative Inhalte gehören zu den größten Risiken der digitalen Kommunikation. Denn sensible Menschen reagieren besonders empfindlich auf Unstimmigkeiten und Konflikte jeglicher Art. Auch fürchten sie sich vor harscher Kritik und negativem Feedback und zögern darum vermehrt, ihre Meinung zu äußern.

7. Angst, etwas zu verpassen

Die Angst, etwas zu verpassen, ist in der digitalen Kommunikation alltäglich. Social Media sind entsprechend konzipiert, dass ständig neue Beiträge im Feed erscheinen und Push-Meldungen uns fortlaufend auf die Plattform locken.

Zudem kommen wiederholt neue digitale Apps und Plattformen auf den Markt. Und schon haben wir ein weiteres Profil, dessen Feed oder Chat wir nach Neuigkeiten abklappern – aus Angst, etwas zu verpassen und nicht (mehr) dazuzugehören.

Die Fachsprache nennt die Angst, etwas zu verpassen, FOMO: the fear of missing out. Für feinfühlige Menschen kann sie zum Problem werden. Denn sie fühlen sich ohnehin schnell als Außenseiter und geben deshalb dem Gruppenzwang nach.

8. Ablenkung & Zeitverschwendung

Social Media und digitale Apps laden dazu ein, sich die Zeit zu vertreiben. Vor allem, wenn wir im Alltag vor unlösbaren Problemen und Aufgabenbergen stehen. Ehe wir uns versehen, ist wieder eine Stunde vergangen, in der wir ziellos die Zeit mit Scrollen vertrödelt haben. Am Ende des Tages macht sich der Frust breit, wenn wir unser Vorhaben nicht erledigt haben.

Viele Menschen neigen dazu, sich von der Umwelt vereinnahmen zu lassen, weil sie sich schlecht von äußeren Einflüssen abgrenzen können. In diesem Zustand fehlt ihnen das Gespür für eigene Bedürfnisse. Es kann vorkommen, dass sie ihre Ziele und Aufgaben aus den Augen verlieren. Dann fällt es ihnen schwer, fokussiert zu bleiben. Viel leichter erscheint es, nach dem Smartphone zu greifen, sich abzulenken und die Zeit auf Social Media zu verbringen.

Ablenkung und Zeitverschwendung sind häufige Risiken der digitalen Kommunikation.

9. Orientierung im Außen

Sinn und Zweck von Social Media ist es, sich zu vernetzen, auszutauschen, anderen zu folgen und an ihrem Leben teilzuhaben. Dies verleitet dazu, sich im Außen zu orientieren und mit anderen zu vergleichen. Für Selbstkritische bedeutet dies oftmals, dass sie andere besser, erfolgreicher, schöner, liebenswerter oder glücklicher wahrnehmen.

Was viele dabei vergessen: Jeder Mensch entscheidet selbst, welches Bild er nach außen vermitteln und welche Ausschnitte seines Lebens er veröffentlichen möchte. Allzu leichtfertig schließen wir manchmal daraus, dass dies sein ganzes Leben darstellt.

Viele Accounts posten schöne und erfolgreiche Momente, während sie den Alltagstrott oder zwischenmenschliche Konflikte für sich behalten. Vergleichsweise wenige teilen auch Rückschläge, wenn es zum gewünschten Gesamtbild passt.

Manche Menschen tendieren dazu, sich in der Außenwelt zu verlieren. Für sie ist es schwierig, sich abzugrenzen. Oder sie lassen sich von fremden Werten und kollektiven Trends vereinnahmen. Als Folge fühlen sie sich unter Druck gesetzt, mithalten oder einem bestimmten Bild entsprechen zu müssen – begleitet von Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen oder Versagensängsten.

Die Tendenz, sich an der Außenwelt zu orientieren, ist eines der weiteren Risiken der digitalen Kommunikation.

10. KI, Bildbearbeitung & Fake News

Filter und Photoshop gibt es schon lange, um Fotos zu verschönern. So manches schöne Gesicht wirkt auf dem bearbeiteten Foto noch perfekter. Manchmal derart makellos, dass wir die Bildbearbeitung auf Anhieb erkennen.

Dennoch setzen gesellschaftliche Normen und Erwartungen wie vorgegebene Schönheitsideale viele Menschen unter Druck. Sie gelten als Maßstab, bleiben jedoch oft unerreichbar. Dies kann zu Selbstzweifeln und Frust und führen.

Auch wenn neueste Technologien im Bereich der Künstlichen Intelligenz die Arbeit erleichtern und Zeit einsparen, haben sie dennoch eine Kehrseite. Sie machen es unmöglich, zwischen echten und gefälschten Nachrichten, Bildern und Videos zu unterscheiden. Welche Inhalte sind wahr? Welche sind Fake News? Kaum einer hat die Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Nebst all den technologischen Chancen tun wir uns gut daran, uns auch mit den KI-geschuldeten Risiken der digitalen Kommunikation auseinanderzusetzen. Nur so gelingt es auch in Zukunft, bewusst und selbstbestimmt damit umzugehen.

11. Gegen die biologische Natur

Keine Frage: Dank dem technischen Fortschritt leben wir heute komfortabel und genießen vielerlei Vorzüge – während unsere Vorfahren ihr Überleben noch hart umkämpft haben. Dennoch lassen wir uns allzu leicht durch Medien in andere Welten entführen. Dabei vergessen wir, dass unser Geist zwar durch das Internet reist, unser Körper sich hingegen kaum bewegt und sich vorwiegend in geschlossenen Räumen aufhält. Haltungsschäden sowie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen zählen zu den neuen Zivilisationskrankheiten. Für viele gehört es zum Alltag, ab und zu ein Aspirin oder Beruhigungsmittel einzunehmen, um im Alltagsstress zu funktionieren.

Wir vernachlässigen, dass unser Körper auch Teil der uns umgebenden Natur ist. Und nicht davon abgetrennt, wie unser künstlicher Lebenswandel es vermuten lässt. Für die Gesundheit erscheint es wichtig, sich dem Rhythmus der Natur anzupassen. Sich eine digitale Auszeit zu nehmen, um sich in der Natur zu erholen. Den Körper ausreichend zu bewegen. Nach dem Tages- und Nachtzyklus der Sonne zu leben, anstatt bis spät in die Nacht am Rechner zu arbeiten.

Gegen die biologische Natur zu leben, gehört zu den wohl größten Risiken der digitalen Kommunikation. Psychische und physische Schwierigkeiten scheinen langfristig eine Folge zu sein.

Behalte die beschriebenen Risiken der digitalen Kommunikation künftig im Hinterkopf. Damit bist Du gut gerüstet, um bewusst mit Medien umzugehen und sie zu Deinem Wohl einzusetzen. Weitere Beiträge rund um das Thema achtsam mit Medien findest Du in der gleichnamigen Kategorie. Beispielsweise in diesem Artikel.

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